ART SORB - ANWENDUNGSHINWEISE

Für die meisten Anwendungen haben wir ART SORB ersetzt durch unser Produkt PROSorb, das eine bessere Aufnahmekapazität besitzt - bei geringerem Preis und weiteren Vorteilen!

Wir empfehlen ART SORB nur noch für besonders hohe Konditionierungen (65%- 80% rF), wie sie in der Museumspraxis jedoch selten benötigt werden.
Nur in diesem Bereich ist ART SORB das beste Produkt (siehe Diagramm auf unserer PROSorb-Seite).

Preise

1 kg ART SORB, unabhängig von Konditionierung: € 50,-. Auf Wunsch auch Verpackung in staubdichte TYVEK Beutel: Aufpreis: € 2,-, unabhängig von Beutelgröße und Gewicht. Auf Wunsch auch Verpackung in Kassetten aus PP: 333 x 110 x 43 mm (Inhalt 750 g) oder 333 x 110 x 24 mm (Inhalt 400g ART SORB). Aufpreis pro Kassette: € 5,-. Bitte geben Sie an, welche Konditionierung Sie wünschen (65%, 70%, 75% oder 80% rF). Für andere Konditionierungen verwenden Sie PROSorb.

ART SORB-Platten sind in den meisten Fällen ersetzbar durch dickere säurefreie Passepartoutkartons in Archivqualität, die 1 -2 Tage in einem Raum mit entsprechendem Klima gelagert werden. Reicht die Speicherfähigkeit von Passepartoutkarton nicht aus, können auch Beutel mit PROSorb-Granulat eingesetzt werden, die ggf. auch mit Aufhängeösen  oder in "gesteppter Version" lieferbar sind, sodass sich bei senkrechter Anbringung nicht alles Granulat am unteren Ende des Beutels sammelt. Andere Hersteller bieten zwar ebenfalls Silikagelplatten an (nähere Informationen auf Anfrage), jedoch liegt der Preis hier noch wesentlich höher.
Wir haben ART SORB-Platten unter anderem deshalb aus dem Programm genommen, weil sie chloridhaltige Stäube abgeben (sehr korrosiv z.B. auf Eisen, Zink und Kupfermetalle), die sich beim Hantieren leicht auf die Kunstwerke übertragen.
Sollten Sie dennoch ART SORB-Platten wünschen, wenden Sie sich bitte an www.lascaux.ch oder www.preservationequipment.co.uk

DOSIERUNG UND PLATZIERUNG

Die auf der Seite Produktinformationen genannten Angaben der Mindestmengen pro m³ stellen die Menge ART SORB dar, die in einer einigermaßen dichten Vitrine bei mittleren Temperaturschwankungen notwendig ist, um die Luftfeuchtigkeit einige Zeit in engen Grenzen konstant zu halten.

Damit ART SORB seine Wirkung entfalten kann, ist darauf zu achten, dass die Vitrinenluft möglichst ungehinderten Zugang zu dem ART SORB Material bekommt. Ggf. ist die Oberfläche des ART SORB Materials größer zu wählen, indem Sie z.B. statt einer großen Kassette zwei kleine Kassetten einsetzen oder indem Platten oder flache Schalen mit Granulat verwendet werden. Soll der Feuchtigkeitsaustausch zwischen ART SORB und Vitrinenluft durch Schlitze im Vitrinenboden geschehen, sollten eher wenige breitere (1-2cm) als viele schmale Schlitze gewählt werden4.

Soll das Vitrinenklima wesentlich und über längere Zeit vom mittleren Umgebungsklima abweichen, z.B. wenn in einem feuchten Keller ein trockenes Vitrinenklima erzeugt werden soll, wird ggf. deutlich mehr ART SORB benötigt. Enthält die Vitrine eine große Menge hygroskopischen Materials wie z.B. Innenkonstruktionen aus Holz, muss die Menge ART SORB noch höher gewählt oder müssen die hygroskopischen Vitrineneinbauten vor Einbringen des Kunstwerks auf den richtigen rF-Wert gebracht werden.

Die Speicherkapazität von Holz sollte nicht unterschätzt werden. Im Bereich zwischen 40-60% rF besitzen 6 kg Holz eine vergleichbare Pufferkapazität wie 1 kg ART SORB. Vitrineneinbauten, die zuvor sehr feucht oder sehr trocken gelagert waren, können das Vitrinenklima daher stark beeinflussen. Allerdings ist die Feuchtigkeitsaufnahme /-abgabe eines Holzbretts sehr viel langsamer als bei ART SORB. Bei einem unlackierten, 20 cm dicken Holzbrett dauert es etwa 50 Tage, bis sich das Holzbrett auch nur zur Hälfte auf ein neues Umgebungsklima eingestellt hat². Es ist daher in der Praxis oft unmöglich, Vitrineneinbauten aus Holz vor einer Ausstellung auf das richtige Klima einzustellen. Um den Effekt von Holzeinbauten zu kompensieren, müssen darum ggf. größere Mengen ART SORB eingesetzt werden. Einbauten aus Metall, Glas oder Acryl wirken sich dagegen nicht auf das Vitrinenklima aus. Manche Kunden verwenden bis zu 8 kg ART SORB/m³. Am besten probieren Sie die Klimatisierung der Vitrine vor dem Einbringen der Kunstwerke aus!

Mengenberechnung

Je mehr ART SORB eingesetzt wird, desto geringer sind die Schwankungen und desto größer ist der Wartungsabstand. Der Wartungsabstand hängt darüber hinaus von der Dichtigkeit der Vitrine, vom Feuchtigkeitsgefälle zwischen Vitrinen- und Umgebungsluft und schließlich von der akzeptablen Toleranzspanne ab. Unter Kenntnis der Vitrinendichtigkeit4 (bei guten Klimavitrinen weniger als 1 Luftaustausch in 10 Tagen, fragen Sie Ihren Vitrinenhersteller) und der Klimabedingungen lässt sich der Wartungsabstand in etwa berechnen, doch muss diese Schätzung unbedingt durch Messungen mit einem Hygrometer überprüft werden.

Beispiel: Eine Vitrine von 1m³, aufgestellt in einem Raum mit 50% rF und 20°C soll mit 1 kg ART SORB (vorkonditioniert auf 80% rF) auf 75±5% rF klimatisiert werden, bei einer Vitrinendichtigkeit von 1 Luftaustausch in 10 Tagen:

Bei 20° enthält 1m³ bei 100% rF ca. 17,3 g Wasserdampf. Um die Vitrinenluft von 50% rF auf 75% rF zu bringen, müssen der Luft pro Luftaustausch daher (0,75 - 0,50) x 17,3 g = 0,25 x 17,3 = 4,3 g Wasser hinzugefügt werden. Pro Tag muss das ART SORB im Durchschnitt also 0,43 g in die Vitrinenluft abgeben.

1 kg ART SORB kann zwischen 80% rF und 70% rF ca. 130 g Wasser abgeben; die Menge würde also ausreichen, um die Vitrine 130 g : 0,43 g/Tag - 10 Tage = ca. 290 Tage oberhalb von 70% rF zu halten.

Undichte Vitrinen können evtl. durch Abdichten der Fugen nachgebessert werden. Bestehen Vitrinenaußenwände aus dampfdurchlässigen Materialien wie z.B. Holz, kann versucht werden, diese durch eine Innenkaschierung (z.B. mit Aluminiumfolie, Alu-Verbundfolie...) dampfundurchlässiger zu machen. Auch Acrylglas ist vergleichsweise dampfdurchlässig4.

Einbringen von ART SORB in Vitrinen

Planen Sie die Vitrinenausführung so, dass Sie die ART SORB - Materialien einbringen und ggf. austauschen können, ohne die Kunstwerke bewegen zu müssen. Schubladen sind hierfür ideal. Bisweilen lässt sich das ART SORB Material auch gut in Vitrineneinbauten verstecken. Wird loses Granulat verwendet, bietet sich z.B. Glas, PP und Edelstahl als Schalenmaterial an.

Bitte beachten Sie, dass ART SORB nicht in direkten Kontakt mit Metallen wie Eisen, Zink, Alu und Kupfer gebracht werden soll. Verwenden Sie zur Befestigung von ART SORB-Platten Klammern bzw. Nägel aus rostfreiem Stahl (s.o). 

KONDITIONIERUNG

ART SORB wird im jetzt nur noch vorkonditioniert auf 65% bis 80% rF geliefert. Die Werte werden vor Versendung mit einem Präzisionshygrometer Testo 645 überprüft. Damit durch evtl. dennoch fehlerhafte Ware keine Schäden an Kunstwerken entstehen können, ist der Konditionierungswert des ART SORB-Materials (auch von Kassetten) vor Gebrauch zu prüfen (s.u.).

Zum Messen des Konditionierungswerts stellen Sie am besten das ART SORB-Material zusammen mit einem genauen Hygrometer in einem Folienbeutel luftdicht verpackt in einen Raum mit möglichst konstanter Temperatur. Nach 24 Stunden kann der Messwert abgelesen werden. Als Messgerät eignen sich der Präzisionshygrometer Testo 645 (Genauigkeit: ±1% rF) oder ein anderes, frisch justiertes Präzisionsmessgerät (Bild: Lufft Kontrollhygrometer 5406).

Bei ART SORB Kassetten ist das Nachkonditionieren auch nach Gewicht möglich, denn: auf das ursprüngliche, auf der Kassette angegebene Gewicht gebracht, weisen sie in der ersten Zeit auch wieder den ursprünglichen Konditionierungswert auf. Leider ist jedoch auch ART SORB nicht unvergänglich: Es hat sich gezeigt, dass sich der Konditionierungswert von Kassetten bei gleichem Gewicht schon nach einigen Jahren spürbar nach oben verschiebt, typischerweise 1 - 2% rF im Jahr. Essigsäuredämpfe, wie sie z.B. in Vitrinen mit Holzeinbauten oder Holzexponaten immer vorhanden sind, beschleunigen die Zersetzung aller Silikagele. Bei älteren Kassetten muss daher die Konditionierung mit einem Hygrometer überprüft werden.

Befeuchten von ART SORB-Kassetten und Granulat:

Granulat oder Kassetten, die sich in trockenem Zustand befinden, dürfen nicht durch Besprühen mit destilliertem Wasser befeuchtet werden, da hierbei die Granulatkörnchen zerplatzen. Erst wenn das Granulat einen Konditionierungszustand von 50% rF oder feuchter besitzt, darf es zur weiteren Befeuchtung mit destilliertem Wasser besprüht werden. Auch Kassetten können dann direkt mit destilliertem Wasser befeuchtet werden - dabei darf allerdings kein Wasser auf den Karton gelangen. Am ehesten gelingt dies durch Aufstreichen des Wassers auf den Vliesstoff mithilfe eines kleinen Löffels, wenn zuvor eine kleine Stelle des Vliesstoffs mit Alkohol betupft wurde. Die neuen Kassetten aus PP sind wasserfest, sodass diese Probleme nicht mehr bestehen.

Um sicher zu gehen, dass das ART SORB-Material richtig konditioniert ist, sollten Sie den Konditionierungswert 1 Tag nach dem Befeuchten mit einem genauen Hygrometer überprüfen (s.o).

VORSICHTSMASSNAHMEN

ART SORB besteht aus Silikagel und Lithiumchlorid. Gesundheitsschädlich beim Verschlucken. Kontakt mit der Haut kann zu leichten Reizungen führen. Stäube möglichst nicht einatmen.

Das durch ART SORB adsorbierte Wasser liegt auf der Oberfläche der Granulatkörnchen in flüssiger Form vor und kann daher z.B. bei Eisen, Zink und Aluminium bei direktem Kontakt zu Korrosion führen. ART SORB sollte daher generell nicht in direkte Berührung mit den Kunstwerken gebracht werden, zumal der adsorbierte Wasserfilm außerdem Chloridionen enthält. Desgleichen gilt auch für Stäube, wie sie beim Schütten von Granulat entstehen. Versuchen Sie daher, durch vorsichtige Handhabung Stäube zu vermeiden und halten Sie sie von Kunstwerken fern. Fassen Sie nicht abwechselnd ART SORB und Kunstwerke an, da hierdurch Stäube übertragen werden. ART SORB sollte vorsichtshalber nicht bei rasch strömender Luft (>1m/sec) eingesetzt werden.

LITERATURHINWEISE

1) Kamba, Nobuyuki: Measurement of the Dimensional Change of Wood in a Climate Case, ICOM Committee for Conservation, 10. Triennal Meeting 1993, Washington, p. 406-409.

2) Padfield, Tim: An Introduction to the Physics of the Museum Environment (On Line). http://www.natmus.dk/cons/tp

3) Toishi, Kenzo: A note on the movement of moisture between the components in a sealed package, Studies in Conservation 39, 1994, p. 265-271.

4) Michalski, Stefan: Leakage prediction for buildings, cases, bags and bottles, Studies in Conservation 39, Nr. 3, 1994, p. 169-186.

Seite drucken Seite drucken

Long Life for Art | Christoph Waller | Hauptstr. 47 | D-79356 Eichstetten | Tel. +49(0) 7663 608 99-0 | Fax -20
E-Mail: info@llfa.de, Web: www.llfa.de, © c.waller