Licht und Lichtschutz im Museum

  1. Beleuchtungsplanung
  2. Tageslicht
  3. Stromschienen und Strahler
  4. Vitrinenbeleuchtung
  5. Glasfaserbeleuchtung, Lichtrohre

 

 

 

 

Vitrinenbeleuchtung mit Glasfaser,
aus: Stiers


Vitrinenbeleuchtung

Bei der Beleuchtung von Vitrinen hat man früher das Leuchtmittel in der Vitrine offen montiert, z.B. an der Vitrinendecke, ohne irgendeine Abkoppelung vom Vitrineninnenraum. Die Problematik der Wärmeabgabe an die Objekte und die ausbleichende Wirkung der UV-Strahlung wurde erst in späteren Jahren berücksichtigt. Heute beleuchtet man Hochvitrinen gern über das Raumlicht. Bei dreidimensionalen Objekten werden in der Regel mehrere Strahler benötigt, um starke Schlagschatten zu mildern. Von Nachteil kann die auf der Verglasung auftretende Lichtreflexion sein. Deshalb muss der Einfallswinkel des Lichtes (=Ausfallswinkel) in Augenhöhe der Betrachter vermieden werden (Köhnlein 1996). Auch die Kanten der Ganzglasvitrinen werfen Schatten in die Vitrinen. 

Um Temperaturschwankungen in den Vitrinen zu vermeiden, sollten alle Lichtquellen und Vorschaltgeräte möglichst räumlich getrennt vom Vitrineninneren installiert sein. Ein wesentlicher Teil der Wärmeentwicklung wird durch das Vorschaltgerät produziert, weshalb es eine ungehinderte Wärmeabgabe nach außen besitzen sollte. Vitrinenbeleuchtung von außen sollte möglichst wenig IR enthalten bzw. IR-gefiltert sein. 

Bei Hochvitrinen mit aufgesetzter Lichthaube besteht die Standardausführung aus mittig angebrachten Leuchtstoffröhren, einem weißen Lichtkasten und einem Blendschutzgitter. Damit sich das Vitrineninnere nicht erwärmt, ist die Lichthaube durch eine Glasscheibe getrennt oder gar mit Abstandshaltern über dem Glasdeckel der Vitrine installiert. Vitrinenmittig angeordnete Skulpturen erhalten Streiflicht von oben, vorn aufgestellte Exponate verschatten sich selbst. Die Lichteinstrahlung die Vitrine kann nur durch Zwischenlegen von Papieren, Vliesen oder Folien verändert werden- ein mühseliges Unterfangen, das z.T. auch die Lichtfarbe verändert: Papiere machen das Licht gelblicher, Alufolie verändert den Ton ins Blaue. Gut bewährt haben sich neutralgraue Vliesstoffe (Kaufhaus). Auch Lichtschutztextilen oder -folien, wie sie vor Fenstern verwendet werden (s.u.) können eingesetzt werden. 

Oft ist es günstiger, die Leuchtstoffröhre direkt hinter der Frontblende des Lichtkastens zu platzieren - oder im Idealfall sogar frei verschiebbar zu halten. Befinden sich mehrere Leuchtstoffröhren im Lichtkasten, sollten diese parallel geschaltet sein, damit nicht entweder alle oder keine Röhre in Betrieb sein muss. Ist der Lichtkasten von innen weiß, ergibt sich stets eine etwas diffuse Beleuchtung. Die Luxwerte in der Vitrine schwanken erheblich je nachdem, ob die Lichthaube oben geöffnet oder geschlossen ist - eine Erschwernis für das Einstellen der Beleuchtungsstärke. Um Vitrinen stark abzudunkeln, ist es günstig, den Lichtkastendeckel dunkel zu halten oder dunkel machen zu können. Weitere Verbesserungen sind möglich durch:

Dennoch ist ein Lichtkasten voller Leuchtstofflampen nur selten zufriedenstellend und nie aufregend - Formen und Oberflächenstrukturen verlangen nach gerichtetem Licht  Im Lichtkasten verborgene Niedervolt -Kaltlichtlampen lassen sich sehr effektvoll einsetzen, sofern sie frei positioniert werden können. Aufgrund des geringen Abstands zum Exponat strahlen jedoch bereits 20W-Lampen in der Regel zu hell für lichtsensible Exponate. Die Kunst besteht eher darin, durch sorgfältiges Fokussieren ein wenig Licht über empfindliche Exponate zu verschütten als diese direkt zu beleuchten (Shaw).

Ein Nachteil von Hochvitrinen mit aufgesetztem Lichtkasten bleibt die nach unten abnehmende Lichtmenge (so ist auch die  Vitrinenrückwand ungleichmäßig ausgeleuchtet) und die Verschattung durch auf  Tablaren übereinander angebrachte Exponate. Der untere Vitrinenbereich bedarf daher einer zusätzlichen Beleuchtung durch das Raumlicht oder Strahler, damit verschattete Objekte besser wahrgenommen werden. Ein anderer Lösungsansatz besteht darin, die Vitrinen zusätzlich von der Seite zu beleuchten. Eine Kombination von Decken und Seitenlicht ist für eine Beleuchtung der Vitrinen sicher die richtige Lösung (Köhnlein1996). Bei Wandnischen lassen sich z.B. senkrechte Leuchtstoffröhren hinter Frontblenden verstecken und räumlich vom Vitrineninneren trennen, die Abführung der Lichtwärme ist ggf. mechanisch zu gewährleisten. Bei freistehenden Vitrinen ist seitliche Beleuchtung durch Glasfasertechnik oder LEDs möglich. 

Bei  Glasfaserbeleuchtung werden die Lichtleiter z.B. in Rohren entlang den Vitrinenkanten nach oben geführt; wobei die Positionierung der Endoptiken frei wählbar ist. Bisweilen befinden sich die Endoptiken auch am Rand des Vitrinenbodens und beleuchten die Exponate z.T. durch über den verspiegelten Vitrinendeckel (z.B. Bayer. Nationalmuseum). Bild aus "Museumswelten"  Ein anderer Ansatz ist die Beleuchtung durch LEDs, welche sich z.B. auch kaum sichtbar auf die Unterseite von Glastablaren auflöten lassen, Bild rechts, aus: www.reier.de.

Wandvitrinen

Um Wandvitrinen mit konventionellen Mitteln gleichmäßig ausleuchten zu können, müssen Leuchtmittel und Reflektor möglichst großen Abstand zur Rückwand erhalten. Wohl um die Vitrinen nicht allzu klobig erscheinen zu lassen, sind diese Vitrinen nach unten verjüngt. Schräg gestellte Vitrinenscheiben mindern die Reflexgefahr (Rijksmuseum Amsterdam)

Bei Tischvitrinen ist die gleichmäßige Ausleuchtung flacher Bild- und Schriftdokumente häufig nur unbefriedigend gelöst. Bei Beleuchtung von außen kommt es leicht zu Spiegelungen auf der Vitrinenscheibe oder die Besucher verschatten das Exponat. Für diese Art der Beleuchtung von außen kommt nur eine seitliche Ausrichtung der Strahler in Frage, oder aber über indirekte Lichtreflexion von einer der Vitrine zugeordneten Wandfläche. Vor der hellen Wand mögen die Exponate in der Vitrine dann allerdings eher dunkel erscheinen.

Bei integrierter Beleuchtung in der Vitrine benötigen Leuchtstoffröhren (vorzugsweise mit asymmetrischen Reflektoren) viel Raum und beheizen die Vitrine. Bessere Möglichkeiten bieten Spiegelsysteme oder die Glasfasertechnik mit waagerechten Lichtrohren oder multiplen Auslässen (s. Bild).  Mehr dazu im nächsten Kapitel. Neuerdings wird auch gerne LED-Beleuchtung eingesetzt

Tischvitrine mit hochgefahrener Haube, Beleuchtung durch sieben Glasfaserauslässe. aus www.glasbau-hahn.de

Buchvitrine mit multiplen Glasfaser-Auslässen
Bild: R. Leenheer Universität Amsterdam

Eine ausgeklügelte Beleuchtung entwickelte Firma ADD-T für den altmexikanischen Federkopfschmuck im Museum für Völkerkunde, Wien.

Aus einem fast unsichtbaren waagerechten Schlitz in der schwarzen Rückwand (knapp über dem Federschmuck) leuchten Glasfaseroptiken auf die an der Vitrinendecke angebrachten verstellbaren runden Spiegelscheiben. Diese verteilen das Licht effektvoll auf den vielfarbigen Federschmuck. Zusätzlich leuchten Glasfaseroptiken aus den senkrechten Säulen. Die ca. 3 m hohe Vitrine steht an zentraler Stelle in einem stark abgedunkelten Raum. Während der Öffnungszeiten ist sie die längste Zeit nur mit einer minimalen Grundbeleuchtung ausgeleuchtet:. Erst wenn ein Besucher näher tritt, fährt ein Bewegungsmelder allmählich und für kurze Zeit die Vollbeleuchtung hoch. Ein ästhetisch wie konservatorisch überzeugende Lösung für ein einzigartiges Exponat. 

Größeres Bild siehe hier

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