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Aktivkohlefilz als Hintergrundbespannung in Gemäldevitrine mit Cranach-Dryptichon, Melanchton-Haus, Bretten |
In Vitrinen, Depotschränken, Schachteln und Kisten werden die hauptsächlichen Schadgase im Behältnis selbst hervorgebracht: die organischen Säuren, Aldehyde und Peroxyde. Von Bedeutung ist auch der Schwefelwasserstoff, während die typischen Luftschadstoffe SO2, NO2 und O3 eher eine untergeordnete Rolle spielen. Es ist daher von außerordentlicher Bedeutung, bei der Einrichtung von Innenräumen und noch viel mehr von Vitrinen und Depotverpackungen auf problematische Werkstoffe von vornherein zu verzichten.
Sofern die problematischen Werkstoffe sich nicht vermeiden lassen, da sie z.B. aus dem Exponat selbst stammen, kann versucht werden, sie abzusperren, zu verdünnen oder zu bekämpfen. Zur Staubvermeidung siehe Teil 4.3.
Hilfen bei der Auswahl unbedenklicher Materialien für Vitrinen geben z.B. folgende Quellen: Tétreault 1993, Tétreault 1994, Lee 1996, Hatchfield 2002
Listen mit "Oddy"- getesteten Markenprodukte, wie sie das British Museum vorhält, gibt es im deutschen Sprachraum nicht. Unbekannte Materialien müssen daher ggf. untersucht werden (siehe 4.2). Hier können nur allgemeine Hinweise gegeben werden:
| eher zu vermeiden | eher geeignet (Produkte können aber gefährliche Zusätze enthalten!) |
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|---|---|---|
| Papiere, Kartons | Holzschliffpapiere, Recyclingpapiere | säurefreies, holzfreies Papier, gefärbte Papiere vorher testen! |
| Textilien (gefärbte und ausgerüstete Textilen vorher testen!) |
Wolle, wollhaltiger Filz, Nylon | ungefärbte Baumwolle, Leinen (ggf. Appreturen vorher auskochen), Polyester, Acryl, Glasfaser |
| Naturmaterialien | Leder, Blätter | |
| Kunststoffe, Farben, Kleber, Dichtungen | Öllacke, ölmodifizierte Lacke (Alkydharze), Linoleum, PVC, PVAc, Nitrozellulose, essigsäureabspaltende Silikone, PVDC, Neopren, Kontaktkleber, vulkanisierter Gummi, tierischer Leim, Polyäther | Acrylate, neutralvernetzende Silikone, Latexfarben, 2-Komponenten Epoxidharz, Celluloseether, Polyester, ABS Polyethylen, Polypropylen, PE/PP-Heißkleber (z.B. 3M Typ 3797 oder 3748), Polystyrol, Polycarbonat, Teflon, Mineralfarben |
| Selbstklebematerialien | die meisten gängigen | Acrylate auf Polyester z.B: 3M Typ 850, (glasklar, 12 oder 24 mm) doppelseitige Klebebänder: 3M Typ 415, (siehe: Hatchfield 2002) |
| Platten | Holz (s.u.) | (s.u.) |
Der Werkstoff Holz besitzt sehr viele praktische und auch
klimatische Vorteile, sodass es in der Praxis schwer fällt, völlig
darauf zu verzichten. Ein Lackieren der Holzoberflächen ist in der
Regel nicht ausreichend und birgt in Form problematischer Lacke
(Ölfarben, PUR-Lacke...) neue Gefahren.
Tétreault 1999 (2) gibt
Empfehlungen für die Auswahl von weniger bedenklichen Lacken, doch
häufig steht für das korrekte Ablüften der Lacke (bei dichten Vitrinen
mindestens 4 Wochen) nicht genügend Zeit zur Verfügung. Die Situation
lässt sich verbessern durch:
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Alufolie lässt sich z.B. mit Paraloid B72 einpinseln und nach Ablüften des Lösungsmittels mit einem Bügeleisen auf Holzplatten aufbügeln. Die Platten lassen sich danach mit einem Dekostoff überziehen. Dieses Verfahren vermindert die Säurekonzentrationen erheblich, die Werte liegen jedoch noch immer weit höher als bei Verwendung unbedenklicher Werkstoffe wie Metall .
Mit etwas mehr Montageaufwand lassen sich auch Vitrinenrückwände und Sockel aus Metall oder Plexiglas herstellen und beziehen. Als Kleber kommen Schmelzkleber auf PE/PP-Basis in Frage (z.B. 3M Typ 3748, erhältlich bei Tewipack, Kleinmengen erhalten Sie auch bei uns. Dieser Kleber ist vom British Museum Oddy -getestet).
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Am Bayerischen Nationalmuseum wurden Sockel hergestellt aus mit einander verschraubten Ethafoam 700-Platten, welche mit einer Deck- und Bodenlage aus 3 mm - Museumskarton versehen wurden (Kleber: Paraloid B 72 in Aceton). Die Bespannung wurde mit Acrylkleber Lascaux 498HV aufgeklebt ( Kreutner 2009) .
ganz rechts: |
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Lassen sich Holzwerkstoffe nicht vermeiden, so sollten möglichst wenig bedenkliche Holzarten und Produkte zum Einsatz kommen (Tétreault 1999, siehe auch 4.1.1). So sind Phenolformaldehyd- gebundene Tischler- oder Sperrholzplatten den Spanplatten vorzuziehen. Harnstoff-Formaldhydharz- gebundene Platten sollten dagegen nicht zum Einsatz kommen.
Sind alle Möglichkeiten der Vermeidung ausgeschöpft, verbleiben als Möglichkeiten die künstliche Lüftung (ständiges Einblasen gereinigter, klimatisierter Luft), die Umluftfilterung oder passive Absorber. Die bisweilen geäußerte Ansicht, Vitrinen müssten absichtlich undicht gebaut werden, damit sich im Innern keine hohen Schadgaskonzentrationen bilden, verkennt die Staubproblematik (die Vitrinen und Exponate müssen u. U. halbjährlich entstaubt werden) ebenso wie die klimatischen Aspekte. Eine Verminderung der Schadstoffe in der Vitrinenluft bewirkt durch Verschiebung des Gleichgewichts eine verstärkte Freisetzung von Schadstoffe durch die Vitrinenwerkstoffe und Exponate. Es ist daher ein relativ starker Luftstrom notwendig, um die Schadstoffkonzentration in den Vitrinen spürbar zu senken (Finn 1999).
Künstliche Lüftung verdünnt die in der Vitrine entstehenden Schadstoffe. Selbstverständlich muss die Zuluft sehr gut gereinigt sein, damit die Exponate nicht durch eingeblasene Schadstoffe und Partikel zusätzlich gefährdet werden. Insbesondere gilt dies für SO2 und H2S, deren Konzentration in Vitrinen normalerweise unterhalb der Raumluftkonzentration liegt. Ein Klimagerät für Vitrinen, das mit einer kleinen Filtereinheit bestückt ist, ist der RK II (Hahn), wo die Luft über ein Atemfilter A2B2E2K2Hg-P3 geführt wird. In diesen Dimensionen ist dies vermutlich die bestmögliche Lösung einer Breitband-Zuluftfilterung. Eine Untersuchung zeigte, dass sich mit dieser Methode die Schadstoffbelastung auch in Vitrinen mit größeren Holzeinbauten vermindern lässt (Römich 1998).
Umluftfilterung stellt die geeignetste Lösung zur Schadstoffreduzierung in Vitrinen dar, wobei sichergestellt sein muss, dass die Luft bis in die hintersten Ecken der Vitrine mit einbezogen wird. Einige Vitrinenhersteller haben begonnen, Umluft-Filtersysteme für Vitrinen zu konzipieren, doch sind leider noch keine fertigen Lösungen käuflich erhältlich. Am Rijksmuseum Amsterdam wurden kleine Computerventilatoren in die Vitrinen eingebaut, welche die Vitrinenluft über die Adsorber blasen. Bei den meisten Adsorbern ist ein gewisser Druck erforderlich, um die Schadstoffmoleküle in die Tiefe der Poren zu befördern (Morris 1998). Am vorteilhaftesten erscheint daher die Möglichkeit, die Umluft durch eine Filterpatrone zu pumpen (Forschungsprojekt am GCI). Die aus dem Filterbett aufgewirbelten Stäube müssen am Ausgang der Patrone durch einen Feinstfilter ausgefiltert werden. Umluft-Filtersysteme mittlerer Größe sind bei DST erhältlich.
Passive Adsorber können zu einem gewissen Grad zur Schadstoffreduzierung beitragen (Eremin 1998), doch können hiermit keine definierten Reinheitsgrade erzielt werden. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein zwischen der Freisetzung von Schadstoffen in der Vitrine und der Adsorption durch den Adsorber. Aktivkohlen können durchaus sehr große Mengen an Schadstoffen aufnehmen. Granulate sind jedoch eher für durchströmende Luft gedacht und besitzen in ruhender Luft eine wesentlich geringere Wirksamkeit. Es leuchtet ein, dass bei Granulaten ein gewisser Druck erforderlich ist, um die Schadstoffe in die Tiefen des Granulats zu befördern.
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Aus diesem Grund sind in ruhender Luft Aktivkohletücher besonders geeignet, da sie aus einer großen Zahl dünnster Fäden bestehen und die Schadstoffe in der Aktivkohle daher nur kurze Strecken zurücklegen müssen. Für den Erfolg ist außerdem entscheidend, den Absorber sehr großflächig auszubreiten (Brokerhof 1998), was sich wiederum durch den Einsatz von Aktivkohletuch (s. 4.5) am leichtesten bewerkstelligen lässt. Die absolute Menge des Absorbers in Kilogramm ist für den Erfolg zunächst von untergeordneter Bedeutung. Näheres zu Aktivkohlegeweben siehe unten oder auch hier |
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Der Versuch, Schadstoffe durch einen bespannten Vitrinenboden hindurch entfernen zu wollen, wird eher geringen Erfolg haben, da Boden und Bespannung eine nicht unwesentliche Barriere für den Luftaustausch darstellen. Müssen die Schadstoffabsorber dennoch unter dem Vitrinenboden platziert werden, so lässt sich - ähnlich wie bei der Vitrinenklimatisierung - versuchen, die Luft durch breite Schlitze um den Vitrinenboden herumzuführen (vgl. Grosjean 1991, S. 137/138). Die Tatsache, dass die Schadstoffe schwerer sind als Luft und daher eher nach unten sinken, hat nur eine marginale Bedeutung (Parmer 1991).