Auch Silikagel, Aktivtonerde und Molekularsiebe adsorbieren polare Schadstoffe wie Formaldehyd, SO2, NO2, vor allem jedoch Wasser (Parmar 1991, Knight 1994, Morris 1998). Noch leichter als Aktivkohle geben sie die Schadstoffe bei erhöhter Luftfeuchtigkeit oder Temperatur auch wieder ab. Auf diese Weise können durch Silikagel u.U. Schadstoffe von einer Vitrine in eine andere übertragen werden, wenn z.B. Silikagel aus einer trockenen, schadstoffbelasteten Vitrine herausgenommen und in eine feuchtere Vitrine gestellt wird.
Detail einer Andachtstafel mit hl. Otmar, in Holzrahmen, verglast, Mitte 18.Jh, Erzdiözese Freiburg |
Als Vorbild für effizienten Anlaufschutz stehen mir
immer die verglasten Andachtstafeln mit Silberdrahtarbeiten
vor Auge, bei denen das (vergoldete) Silber nur in den Randbereichen
etwas schwarz geworden (siehe Pfeile), im Zentrum aber nach
über 200 Jahren noch völlig intakt und glänzend ist. Die vom Rand her eindringenden Schadstoffe haben mit dem Silber der Randbereiche reagiert und konnten somit die vergoldeten Silberdrähte im Zentrum nicht erreichen. Wenn wir in Vitrinen nach ähnlichem Prinzip verfahren und die Schadstoffe dort ausfiltern, wo sie eindringen, könnten wir somit sehr lange Erfolg haben! |
Von den Aktivkohleprodukten eignen sind alkalisch imprägnierte Sorten (Granulat, Tücher...) am besten zur Adsorption schwefliger Gase (siehe 4.5.1)
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Als spezieller Absorber für H2S wird in den letzten Jahren gerne Zinkoxyd eingesetzt (Michler 1997, Bradley 1989). In einem Vergleichstest verschiedener Sorbentien fand Michler die beste Wirkung beim Katalysator G 72-D (Südchemie München), einem Zinkoxydpräparat mit einer Oberfläche von 50 m²/g. Für die Anwendung in ruhender Luft wie in Vitrinen sollte man das Granulat zerkleinern. |
Mit Zinkoxyd lässt sich die Konzentration von H2S in Anlagen nur auf 40-50 ppb senken. Mit so genannten Kupfer-Zink Cutters wie G 66B (nicht getestet) lässt sich die Konzentration möglicherweise noch weiter senken, da Kupfer eine größere Affinität zu H2S besitzt (Südchemie). Eine weitere Möglichkeit sind EPIX-Filter.
Die Wirksamkeit von Zinkoxyd lässt sich noch vergrößern, indem ZnO zusammen mit anderen Metalloxyden wie Eisen, Kupfer oder Kobaltoxyd ausgefällt wird. Die Wirkung dieser Zusatzstoffe beruht auf einer Vergrößerung der inneren Oberfläche (Baird 1992, Noble 1999). Auch Porenstruktur und Morphologie ist von Bedeutung.
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Eine kommerzielle Anwendung hiervon ist Miracle Sac (ICEL), eine Art Teesäckchen (6 x 4,5 cm), gefüllt mit 5 g Kupferoxyd, Zinkoxyd und Aluminiumoxyd mit einer inneren Oberfläche von 80-90 m²/g. Jedes Säckchen kann ca. 1 g H2S aufnehmen. Pro m³ werden etwa 30 der preisgünstigen Säckchen empfohlen. Bei 10 ppb H2S und 170 Luftwechseln pro Tag (!) bleiben die Säckchen 6 Monate aktiv, in guten Museumsvitrinen mit 0,1 - 1 Luftwechslen pro Tag somit sehr viel länger. |
Neue Versuche mit Gamma-FeOOH erbrachten ebenfalls hohe Absorptionsraten für H2S (Baird 1996). Das Produkt ist noch nicht kommerziell erhältlich. Am ICN Amsterdam wurden verbesserte H2S-Sorbentien erprobt (Ankersmit 2000), die jedoch alle nicht kommerziell erhältlich sind.
| Silbertuch Pazifik (Pacific Silver Cloth, Springs Industries; Stock 1996, Petersen 1995), ein dunkelbraunes Baumwolltextil mit eingearbeitetem feinen Silberpartikeln (vermutlich aus Silbernitrat ausgefällt). Werden Silbergegenstände darin eingewickelt, dringen die Schadstoffe nicht zum Gegenstand vor, da sie bereits im Pacific Silver Cloth mit dem Silber reagieren. Auch in Vitrinen wird Pacific Silver Cloth mit Erfolg angewendet. (Stock 2. 12. 1996). In Vergleichstests zeigte es sich überlegen gegenüber mit Metalloxiden imprägnierten Geweben oder Papieren (Ankersmit 2000). Das Silbertuch darf nicht mit VPI-Tüchern verwechselt werden, welche Chemikalien verdampfen! Bei Pacific Silver Cloth ist nur Silber eingearbeitet, Nitrat ist nicht mehr nachweisbar. Die Farbe des Silbertuchs verschiebt sich durch die Aufnahme der Schadgase nach Dunkelbraun bis Schwarz. Ein deutsches Produkt mit ähnlichen Eigenschaften ist der Silbo Silber-Schutzstoff von Delu. |
Schutztasche aus Silbertuch Pazifik, auf Maß zu bestellen |
Schutzverpackung |
Nach ähnlichem Prinzip funktioniert der Corrosion Intercept Film (EMI). Hier ist es eine PE-Folie, in die molekulares Kupfer eingearbeitet ist. Es sind schwach durchscheinende, rotbraune Folien aus dem Bereich der Elektronikverpackungen, hauptsächlich zum Schutz für CDs. Eindringende Schadgase reagieren mit dem Kupfer und färben es allmählich schwarz. Es lässt sich somit erkennen, wann die Folie ausgetauscht werden muss. |
CD-Schutzhüllen, aus www.archivalsuppliers.com |
Die deutsche Elektronikbranche hat inzwischen auf metallisierte Folien umgeschwenkt, sodass hierzulande kein Hersteller mehr auffindbar ist. Über die Menge des eingearbeiteten Kupfers gibt es keine Angaben. Nach ähnlichem Prinzip arbeitet der völlig undurchsichtige Static Intercept Film , bei dem neben Kupfer noch Graphit eingearbeitet ist. Die heutigen hochdichten, keramisch beschichteten Transparentfolien (ESCAL) können die Interceptfolien in manchen Anwendungen ersetzen.
Zusammenfassung:
Auch wenn die Verfahren zum Teil noch weiter erforscht und optimiert werden können, stehen doch bereits zum jetzigen Zeitpunkt einige effektive Möglichkeiten zur Schadstoffreduzierung zur Verfügung, mit denen die Bedingungen für die Erhaltung des Kulturguts in Museumsräumen und Vitrinen entscheidend verbessert werden können.
Um die beschriebenen Produkte für die Restauratorenwelt leichter verfügbar zu machen, habe ich versucht, einige zum Teil schwierig zu beschaffende Produkte in mein Firmenprogramm aufzunehmen und zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Preisliste, weitere Informationen und Beratung auf Anfrage bzw. auf den entsprechenden Internetseiten.
Thanks to:
Mein herzlicher Dank geht an Frau Maria-Theresia Worch für die Anregung
zu dieser Arbeit sowie an: Bart Ankersmit, Amsterdam; Andrea Fischer,
Stuttgart; Gunnar Heydenreich, Düsseldorf; Lisa Nilsen, Stockholm;
Herr Nolden, Braunschweig; Jorun Ruppel, Stuttgart; Matthias Stappel,
Neu-Anspach; Ted Steemers, Den Haag; Anngrit Gerber, Dortmund, sowie
die genannten Firmen.