- - Beleuchtungsplanung, Auswahl von Systemen
- Die sechs Gütegesichtspunkte guter Beleuchtung
- Beleuchtungsvarianten
- Lichtmanagement- Tageslicht
- Stromschienen und Strahler
- Vitrinenbeleuchtung
- Glasfaserbeleuchtung, Lichtrohre
Zur Beleuchtungsplanung empfiehlt es sich, erfahrene Fachfirmen zu Rate zu ziehen. Einige Leuchtenhersteller bieten auch Lichtberechnungsprogramme auf CD-Rom oder zum Download an (Staff, Troll). Bei historischen Gebäuden sind auch denkmalpflegerische Aspekte zu berücksichtigen: (wo Kabel geführt, wo Mauerdurchbrüche vertretbar sind, wo Befestigungen an Wand und Decke möglich sind, etc., siehe Köhnlein 1996...), um bauliche Eingriffe zu minimieren. Des weiteren sollen Notbeleuchtung, Putzlicht und Durchgangslicht mit eingeplant werden, damit die Kunstwerke nur während der Öffnungszeiten beleuchtet werden.
Bei der Auswahl von Beleuchtungssystemen, Leuchten und Leuchtmitteln ist auf robuste Ausführung zu achten, vor allem, wenn Ausstellungen häufig umgebaut oder gewechselt werden. Eine Beschränkung auf wenige Systeme, wenige Leuchtentypen und Leuchtmitteltypen ist anzuraten, zum einen um alles innerhalb des Museums flexibel nutzen zu können und zum anderen um ungeschultes Hauspersonal nicht zu überfordern. Trotz des höheren Preises mag es somit sinnvoll sein, auch in Nicht-Ausstellungsräumen (Büros, Depots...) die gleichen Leuchtmitteltypen mit guter Farbwiedergabe einzusetzen wie in der Ausstellung. Die Lichtfarbe aller Lichtquellen (ggf. incl. Tageslicht) ist auf einander abzustimmen und wo möglich zu vereinheitlichen. Bei Leuchten für Halogenlampen ist auf einheitliches Sockelmaß der Stiftsockel zu achten. Im Prinzip sollte die Auswahl des Beleuchtungssystems mit der Auswahl der Leuchtmittel beginnen...
Beleuchtungsniveau (1) und Blendungsbegrenzung (2) bestimmen die Sehleistung, Helligkeitsverteilung (3) und die Farbwiedergabe (4) beeinflussen den Sehkomfort. Das Erleben der gesamten Raumwirkung hängt zum einen ab von der Lichtfarbe der Lampen (5), sowie von Lichtrichtung und Schattenbildung (6), welche die Körperlichkeit und Oberflächenbeschaffenheit des Sehumfelds unterstützen.
1. Beleuchtungsniveau: Die Leuchtdichte muss sowohl dem menschlichen Auge wie den Erfordernissen an die Sehleistung angepasst sein (s.o.). Je kleiner und kontrastärmer das Objekt, desto mehr Leuchtdichte ist erforderlich.2. Blendungsbegrenzung: Die Blendungsbegrenzung wird nach DIN 5035 in Güteklassen eingeteilt.
Gerade bei Strahlern kann direkte Blendung ein echtes Problem darstellen. Durch ihre Flexibilität in Bezug auf Ausrichtung und Platzierung kann das Licht aus Strahlern oft direkt ins Gesichtsfeld des Betrachters fallen. Strahler werden mit Blendschutzklappen oder Wabenrastern versehen, bei länglichen Strahlern werden oft Lamellenraster eingesetzt (Troll). Bei Vitrinen mit Lichthauben werden Blendschutzgitter verwendet. Ebenfalls störend können nicht ausreichend abgedunkelte Tageslichtöffnungen oder Lichtreflexe wirken. Reflexblendungen in Vitrinenverglasungen oder Graphikrahmen können einen Ausstellungsbesuch wesentlich beeinträchtigen. Bei dunklen Hintergründen spiegeln sich u.U. auch schon gegenüberliegende helle Wände in unangenehmer Weise. Hier bieten sich entspiegelte Verglasungen an. Spiegelnde Exponate wie blanke Rüstungen können nicht direkt beleuchtet werden, ebenso wenig wie man einen Spiegel beleuchten kann. Sie werden am besten durch möglichst viele beleuchtete Flächen umgeben. Blendschutzringe und Wabenraster vor Lichtquellen vermindern unerwünschte Spiegelreflexe.
Vollkommen blendfrei ist eine Beleuchtung erst, wenn keine Lichtquelle sichtbar ist und nirgendwo Glanz oder Spiegelung entstehen. Dies lässt sich nur vermeiden durch Leuchten mit niedrigen Leuchtdichten, indirekte Beleuchtung und nichtglänzende Oberflächen. Ein wenig Glanz kann allerdings durchaus attraktiv wirken.
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3. Eine harmonische Helligkeitsverteilung gewährleistet ein
ausgewogenes Verhältnis von Leuchtdichten, d.h. keine Schlagschatten, scheckig
beleuchteten Wände oder starken Lichtabfall z.B. von oben nach unten. Dies lässt sich durch
breite Abstrahlwinkel
Fleckige Beleuchtung, Technisches Museum Wien
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| Damit ein Exponat oder Sehfeld als gleichmäßig beleuchtet empfunden wird,
sollte das Maximum der Beleuchtungsstärken nicht weiter als 3:1 über dem
Minimum liegen. Sicherlich gibt es bisweilen gute Gründe, einzelne Bereiche
durch akzentuierte Beleuchtung hervorzuheben (Shaw). Das Auge wählt die
hellste Fläche (Wand, Decke, Fenstervorhänge) als Referenz. Die hinteren
Gemälde auf dem rechten Bild erscheinen nur als schwarzer Fleck Eine
ähnliche Leuchtdichte von Wand und Gemälde ergibt die besten
Sehergebnisse. Die Wandflächen werden daher ganz oder teilweise (Bild
unten) dunkler gehalten. Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, aus Licht + Architektur |
Zürich, aus: ILIS |
Charlottenburg, aus: ILIS |
| Das Problem von starken Kontrasten in der Helligkeit
ergibt sich auch bei der indirekten Beleuchtung über die Deckenflächen
oder über Tages- oder Kunstlichtdecken. Viel Licht an der Decke bewirkt
beim Betreten des Raums automatisch eine Verengung der Pupille, bevor sich
das Auge auf die wesentlich geringere Helligkeit am Objekt erneut einstellt.
Gemälde, die bei Beleuchtung über die Deckenfläche dunkel
erscheinen, können bei direkter Beleuchtung hell wirken.
In der Praxis hat sich eine direkte Beleuchtung der Ausstellung mit geringen Helligkeitsunterschieden für eine angenehme Wahrnehmung bewährt (Köhnlein 1996). |
![]() oben: helle Lichtdecke im Van Gogh-Museum, Amsterdam, (alte Aufnahme, aus: ILIS). rechts: gleiche Etage nach Renovierung: Tageslichtdecke mit Blendschutzgittern und Tageslicht-Strahlern. |
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| Ablenkung durch auffällige Muster
Das
Auge sollte nicht durch auffällige Muster oder Kontraste ("visual
noise", Bild Mitte) vom Wesentlichen abgelenkt werden. Die
Beleuchtungskörper und Installationen sollten zudem optisch eher
unauffällig sein, z.B. in Architekturelementen integriert.
In der Absicht, zu beruhigen, ersetzte das Kölner Museum Ludwig Spots durch Leuchtstoffröhren, entfernte Hängeschienen und viele weitere Details (2001). |
![]() auffällige Lichtmuster im Museum Abteiberg Mönchengladbach, die Röhren spiegeln sich auch in den Vitrinenscheiben (s.u.) |
![]() Technisches Museum Wien |
| Im Museum
Fondation Beyeler, Riehen/CH, sind alle Strahler und Leuchten oberhalb einer durchgehenden
abgehängten Gitterdecke angebracht, die von unten als einheitliche, nur schwach
helle Fläche
wahrgenommen wird (Bild rechts, weitere Bilder siehe
Erco unter Projekte Museen)
Tate Gallery London |
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| Bildersaal ohne Tageslicht im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Der umlaufende Lichtstreifen, der das Licht aus linearen Wandflutern diffus im Wandbereich verteilt, wird durch einen schwarzen Slot ergänzt, aus dem Strahler direktes Licht auf die Exponate bringen (aus Licht + Architektur 1/2001). | (Bild fehlt noch) |
4. Zur Farbwiedergabe ist
u.a. im Kapitel über die Leuchtstofflampen das Nötige gesagt.
Richtige Wahl der Lichtfarben: Ein Nebeneinander von Tageslicht und
Warmton-Kunstlicht (Zwielicht) wirkt störend, es sei denn, es werden jeweils
andersfarbige Farbflächen beleuchtet.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen
Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke: Nach Kruithofs Kurve (Weintraub 1990)
werden bei niedriger Beleuchtungsstärke nur Warmton- oder Neutralton-Lichtquellen als
angenehm empfunden, bei stärkerer Beleuchtungsstärke eher Lichtquellen mit höherer
Farbtemperatur. Das gelbliche Warmtonlicht kann jedoch auch bei
gegebener Farbumgebung als störend empfunden werden, z.B. bei bläulichen Wandfarben.
Kruithof-Kurve: angenehm empfunden wird nur der schwarze Bereich zwischen den beiden Kurven. Aus: www.dutschke-leuchten.com
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| Zuweilen wird versucht, die Lichtfarbe durch Zugabe rötlicher Leuchtstoffröhren positiv zu beeinflussen (Fondation Beyeler, Basel; Uffizien, Florenz, Bild rechts). | ![]() |
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5. Lichtrichtung und Schattenbildung: Eine harmonische Helligkeitsverteilung zwingt nicht zu einer schatten- und kontrastfreien Beleuchtung. Im Gegenteil, Schatten und Glanz sind wichtige Faktoren des räumlichen Empfindens. Werden sie durch diffuse Beleuchtung minimiert, erscheinen Oberflächen u. U. fade und matt.
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| Musée Picasso, Paris, aus: ILIS | Museum Kröller-Müller, Otterloo, aus: ILIS | ||
Louvre, Paris, aus: erco |
Dreidimensionale Objekte werden daher z.T. bewusst von mehreren Seiten unterschiedlich stark beleuchtet: Frontlicht, schwächeres Seitenlicht und Licht von hinten, Hintergrundbeleuchtung, Streiflicht zur Betonung der Oberflächenstruktur, Spitzlichter zur Hervorhebung von Glanzeffekten.... Starke Schlagschatten wird man zu vermeiden suchen. | ![]() |
![]() Hervorhebung der Oberfläche durch Streiflicht, aus kevan-shaw |
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BeleuchtungsvariantenGrundsätzlich stehen dem Beleuchtungsplaner drei Beleuchtungsvarianten zur Auswahl: 1. Allgemeinbeleuchtung. Die kontrastarme Allgemeinbeleuchtung aller Flächen und Exponate wirkt oft fade und erfordert hohe Beleuchtungsstärken, auch auf den Exponaten. Häufig wird indirekte Beleuchtung eingesetzt. |
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Kunsthalle Nordrhein-Westfalen, aus: ILIS |
| 2. Effektbeleuchtung: setzt im Interesse spannungsreicher Präsentation bewusst Kontraste ein. Kontrastreiche Beleuchtung führt insbesondere bei älteren Menschen zum Ermüden. | ![]() |
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| 3. Akzentbeleuchtung. Nur die Exponate werden angestrahlt
und treten somit dramatisch in Erscheinung: Durch Schablonen vor der
Lichtquelle lässt sich die Beleuchtung auch ganz auf das Exponat begrenzen. Da
der Raum hauptsächlich über die Exponate beleuchtet wird, sind
erhebliche Lichtstärken notwendig - die Methode ist daher nur bei lichtstabilen Exponaten anwendbar. Niedrige
Beleuchtungsstärken wirken oft schummrig. Dunkle Hintergründe
hinter Verglasungen bergen oft die Gefahr von Spiegelungen (siehe Bild
rechts: blaue Reflexe auf den Vitrinenscheiben).
Vitrinenbeleuchtung mit Glasfasertechnik, aus: www.thorn.de
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Lichtmanagement
Zentrale Dimmung von Räumen oder Stromschienen, um sie an wechselndes Tageslicht oder an Besucherströme anzupassen, mag eine sinnvolle Option sein. Von Museumsaufsichten zu erwarten, dass sie pünktlich und genau auf wechselnde Lichtverhältnisse reagieren, dürfte weder realistisch noch anzustreben sein (Kevan-Shaw). Elektronische Sensoren und Zeitschalter sind hier weit zuverlässiger. Beispiele siehe erco/Ratgeber/Lichtsteuerung, Stiers etc.